• Hände und Quetschen
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image

Die Landfrauen von Bechtheim kochen Latwerge

  • Hände und Quetschen
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image
  • Post Slideshow Image

Ein Samstag, Mitte September, in Bechtheim, 5:30 Uhr: Das Dorf liegt noch in fast völliger Stille. Das Nachtschwarz des Himmels weicht nur zögernd dem dunklen Blau des anbrechenden Morgens. Heute wird wieder einer dieser heißen Septembertage, von denen es schon einige gab in diesem Jahr 2018. Und von denen es noch einige geben wird. Das Geräusch eines Riegels schallt durch die Stille. Hedda Koch öffnet ihr Hoftor. Heute wird ein langer Tag werden. Es gibt eine Menge zu tun auf dem Hof. Erwartungsfroh stehen vier Kessel im Hof. Noch sind sie dunkel und kalt. Aus Ihnen ragen lange Ofenrohre zum Himmel. Nicht mehr lange, dann wird der Rauch der vier Holzfeuer die Luft von Bechtheim würzen und das rheinhessische Dorf wird riechen wie ein toskanisches Bergstädtchen: heute wird hier Latwerge gekocht. Beim Latwerge-Kochen der Landfrauen von Bechtheim herrscht drei Tage emsige Geschäftigkeit im Ort.

Hier geht’s zu einem kurzen Film auf youtube.

Latwerge

Samstagmorgens, 5:30 Uhr in Bechtheim. Das Hoftor der Familie Koch steht schon offen. Heute wird hier Latwerge gekocht. Und fast das ganze Dorf wird dabei sein.

Was ist Latwerge?

Latwerge, was ist das? Niemand muss peinlich sein, wenn er dieses seltsame Wort bei Wikipedia nachschlägt. Denn dieses Wort ist schon sehr alt und seine Bedeutungen unterscheiden sich ein wenig in den Epochen und auch in den Regionen. Im Mittelalter bezeichnete Latwerge eine Arznei, die den Kranken als eine Art Brei oder Teig zum Abschlecken von einem Löffel oder Spatel gereicht wurde, um Husten oder Heiserkeit zu lindern. Ein solches Mus bestand meistens aus eingekochten Früchten und Fruchtsäften und war ein wichtiger Bestandteil mittelalterlicher Heilkunst.

Latwerge-Kochen ist in Bechtheim ein gesellschaftliches Ereignis

Heute bezeichnet Latwerge in Rheinhessen traditionell: Pflaumenmus. Schon immer wurde Latwerge in großen Mengen gekocht. Dazu braucht man Pflaumen, viele Pflaumen oder – wie man in Rheinhessen sagt – Quetsche. Viele Quetsche machen viel Arbeit. Und deshalb beginnt das Latwerge-Kochen der Bechtheimer Landfrauen auch schon zwei Tage zuvor am Donnerstagnachmittag mit der Anlieferung dieser großen Menge Quetsche. Die müssen sorgfältig gewaschen werden. Dann dürfen sie sich noch eine Nacht ausruhen, bevor am nächsten Mittag im Rahmen des großen Latwerge-Kochens in Bechtheim das erste traditionelle Ereignis der Dorfgemeinschaft stattfindet: das Entkernen.

Quetschen entkernen

Das Entkernen der Quetschen ist ein gesellschaftliches Ereignis rund um das Latwerge-Kochen der Bechtheimer Landfrauen.

Quetschen entkernen

Viele fleißige Hände entkernen die Quetschen. So geht die Arbeit schnell voran.

Kerne und Pflaumen

Die Quetschen wandern in den Wolf, die Kerne in den Ofen.

Quetschen gewolft

Der Wolf verwandelt die Quetschen zu einem süßen Brei.

Hände und Quetschen

Keine Angst vor klebrigen Händen: die Quetschen werden im Wolf zu einem süßen Brei verarbeitet, aus dem schließlich Latwerge gekocht wird.

 

Besuch der Majestäten
Bechtheimer Weinkönigin und Prinzessinnen 2018

Selbstverständlich gaben sich die frisch gekürten Bechtheimer Weinmajestäten 2018 die Ehre beim Latwerge-Kochen vorbeizuschauen und mitzuhelfen.
v.l.n.r.: Gastgeberin Hedda Koch, Weinprinzessin Noreen Janneck, Weinkönigin Maren Janneck, Weinprinzessin Lara Endrulat und Angelika Schmitt aus dem Vorstand der Bechtheimer Landfrauen.

So richtig wird dieser Freitagnachmittag beim Latwerge-Kochen erst zu einem gesellschaftlichen Ereignis, wenn die frisch gekürten Weinmajestäten Bechtheims hier höchstselbst Hand anlegen. Die Königin, Maren Janneck, mit ihren Prinzessinnen Noreen Janneck und Lara Endrulat, packten fleißig mit an. Schließlich geht es hier nicht nur um Repräsentieren, sondern auch darum eine lieb gewordene Tradition auch in der Zukunft am Leben zu erhalten.

Die Bechtheimer Weinmajestäten packen fleißig mit an.

Keine Angst vorm „bösen Wolf”. Die Bechtheimer Weinmajestäten bereiten den Fruchtbrei für Latwerge vor.

Am Samstag brodeln die Kessel

Der Samstag schließlich ist der entscheidende Tag: hier kommt es auf jede helfende Hand an. Latwerge brennt beim Einkochen schnell am Boden des Kupferkessels an, man muss es ausdauernd rühren. Vier Kessel fordern eine Menge Helfer. Die Arbeit ist kräftezehrend. Rühren, Quetschenbrei nachfüllen, die Flammen unterm Kessel mit Holz füttern. In diesem Jahr haben Helfer eine alte Weinbergshütte der Bechtheimer Landfrauen in handliche kleine Teile zersägt, die nun Stück für Stück in die Öfen gegeben werden. Hin und wieder wird eine Schaufel voller Pflaumenkerne ins Feuer gegeben.

Holz zum Feuern

In diesem Jahr haben Helfer eine alte Weinbergshütte der Bechtheimer Landfrauen in handliche kleine Teile zersägt. Ununterbrochen heizen die Helfer mit Holz nach.

 

Kessel anzünden ist die erste Tätigkeit am Morgen.

Vier rauchende Schlote

Vier rauchende Schlote parfümieren die Morgenluft mit dem Duft von Holzfeuer, so dass Bechtheim riecht wie ein toskanisches Bergstädtchen.

Erfolg erfordert gute Planung

Jeder Helfer am Kessel braucht mindestens eine ausgeruhte Ablösung. Vier kochende Kupferkessel, zehn Stunden Kochzeit: das erfordert viel Personal. Die Bechtheimer Landfrauen haben dafür einen Tagesplan ausgeklügelt. Da sind die treuen Helfer, die schon am Freitag den Wolf beschickt haben und heute nun die Kessel vorbereiten, die Öfen entzünden, Holz herbeischaffen und immer wieder: rühren, rühren, rühren.

Rühren,

Rühren, …

... rühren ...

… rühren …

und nochmals rühren.

… und nochmals rühren.

Da sind diejenigen, die nur zum Rühren eingeteilt sind und sich in Schichten die Arbeit an den heiß dampfenden Kesseln teilen. Da sind diejenigen, die zwischen all diesen Aufgaben hin und her wechseln, damit nirgends eine Lücke entsteht. Die Hausherrin, Hedda Koch, behält die Übersicht. Denn vom Latwerge-Kochen haben die vielen fleißigen Helfer Hunger. Das beginnt bei einem zeitigen Frühstück mit Kaffee und gekochten Eiern, mit frischen Wecken und Kuchen.

Frühstückspause

Die einen rühren, die anderen halten Frühstückspause. Nur mit Arbeitsteilung kann das Latwerge-Kochen gelingen.

Das Frühstück geht in eine Art rheinhessischen Landfrauen-Brunch über, bis sich dann einige der Frauen an die Vorbereitungen für eine Kartoffelsuppe machen.

Rühren

Mit einem Lächeln im Gesicht arbeitet es sich leichter. Die Hausherrin Hedda Koch packt mit an.

 

Kartoffelsuppe und Quetschenkuchen

Dafür wird stellen Helfer einen fünften Kupferkessel auf, scheuern den blitzblank, befeuern ihn ebenfalls mit Holz. Ein paar Landfrauen setzen Dörrfleisch in Wasser an und geben dann gewürfelte Gemüse dazu. Hier entsteht eine rheinhessische Spezialität zum Mittagessen: „Kartoffelsupp‘ und Quetschekuchen”. Denn im Herbst isst man hier bei der Arbeit gerne diese salzig-süße Kombination. In der einen Hand der Suppenlöffel und in der anderen Hand ein duftender, frisch gebackener Quetschekuchen.

Wie es begann, was wurde

Jeder einzelne Arbeitsschritt ist inzwischen schon eine Art traditioneller Brauch. „Angefangen hatte es damit, dass wir die Kasse der Landfrauen von Bechtheim aufbessern wollten”, erinnert sich Hedda Koch. Damals, 1998, warDoris Käufer Vorsitzende der hiesigen Landfrauenvereinigung. „Schnell kam die Idee auf, gemeinsam Latwerge zu kochen, es in Gläser zu füllen und auf einem Adventsmarkt bei uns auf dem Hof zu verkaufen.” 700 Gläser produzieren die Bechtheimer Landfrauen und ihre fleißigen Helfer inzwischen. Das ist eine ganze Menge!

Trackback from your site.

Wenn Du magst, schreibe uns einen Kommentar.